Unterstützte – die Zukunft unterstützen ihr Potenzial abzurufen

Ein normaler Tag

    6:00 Uhr: Die Kinder stehen auf und helfen im Haushalt beim Waschen und Putzen.
    7:00 Uhr: Sie machen sich auf den 3km-langen Weg von Masese ins Stadtzentrum von Jinja. Auf dem Weg ins CRO suchen sie dabei an den "klassischen" Orten, wie an den Müllcontainern am Central Market nach Essensresten und anderem Verwertbarem. Diejenigen, die Scrap sammeln, sind meistens länger als die anderen unterwegs, um die kaputten und/oder nicht mehr für die Unternehmen verwertbaren Dinge im Industriegebiet einzusammeln.
    8:30 Uhr: Nach und nach trudeln alle Kinder im CRO Center ein und die Morning Devotion beginnt. Im Anschluss an die Devotion läuft das Programm, wie schon im ersten Rundbrief beschrieben, ab.
    9:30 Uhr: Die Devotion ist vorüber und die Kinder säubern ihre Bäder und waschen sich und ihre Kleidung. Wenn auch der eine oder andere lieber auf der Schaukel sitzt, als sich waschen zu gehen, ist letztlich doch jeder sauber herausgeputzt.
    11:00 Uhr: Nach dem die Kinder nach dem Duschen Zeit zum Spielen haben, gibt es nun das Frühstück, welches aus einer warmen Tasse Porridge besteht und ab und zu durch kleine Snacks ergänzt wird.
    11:30 Uhr: Alle Mann begeben sich in den Klassenraum, wo sie von Dorothy, der Lehrerin des CRO, in den wichtigsten Grundlagen unterrichtet werden.
    13:00 Uhr: Die Schulkinder trudeln einer nach dem anderen im CRO ein und schon bald serviert Rebecca, die exzellente Köchin, allen das Mittagessen (meist Posho oder Reis mit Bohnen).
    13:30 Uhr: Nach dem Mittagessen darf selbstverständlich die Hygiene nicht fehlen. Die Krankenschwester des CRO, Margaret, versorgt die Kinder täglich mit den persönlich etikettierten Zahnbürsten und Zahnpasta.
    14:00 Uhr: Das Nachmittagsprogramm besteht bis auf einzelne Ausnahmen aus verschiedenen Outdoor-Aktivitäten wie Fußball, Netball oder ähnlichem. Von Zeit zu Zeit dürfen die interessierten Kinder einen Film in der Bibliothek schauen.
    16:30 Uhr: Der Großteil der Kids macht sich auf den Heimweg. Dieser führt aber meistens wieder an den "Hotspots" von Essensresten vorbei. Manche nutzen die Zeit, bis es dunkel wird, um weiter nach Metallschrott (Scrap) zu suchen oder arbeiten an den Holzkohle-Verkaufsstellen mit.
    19:00 Uhr: Die Dunkelheit setzt ein und ein Großteil der Kinder hat bereits Masese erreicht, wenn auch einige erst im Dunkeln zu Hause ankommen und die Full Timer im Stadtzentrum nach einem Schlafplatz suchen.
    23:00 - 3:00 Uhr: Masese schläft nie - diese Aussage mag zwar in Bezug auf Großstädte üblich sein, trifft aber auch sehr wohl auf Masese zu. Dies ist (neben leider auch immer wieder auftretender häuslicher Gewalt) auch der Grund, warum eine Vielzahl der Kids erst jetzt zum Schlafen kommt.

Masese – ein Ort für/von Kinder(n)

Die meisten Kinder des CRO kommen aus Masese; einem zum Großteil von Karamajong (Karamoja ist eine ärmere Region im Nordosten Ugandas) bewohnten Vorort Jinjas. Viele von ihnen kamen mit ihren Familien nach Jinja, um hier im Industriesektor Arbeit zu finden und siedelten sich im ca. 3km entfernt entstandenen Masese an.
Die „less developed area“ besteht aus drei verschiedenen Teilen: Masese Landing Site (wunderschön direkt am Victoriasee gelegen), Danida und Masese 3, aus dem fast alle Kinder kommen und wo das CRO größtenteils aktiv ist. Leider sind hier viele klassische Probleme wie hoher Alkoholkonsum, fehlende Hygiene, häusliche Gewalt und eine hohe Arbeitslosenrate an der Tagesordnung. Darum will SLB sich aktiv dafür einsetzen in Kooperation mit dem CRO Jinja konkrete Maßnahmen zu treffen, die Arbeitsplätze schaffen und den höchst talentierten und oftmals bestens ausgebildeten Menschen in Masese die Chance geben, ihre Lebenssituation zu verbessern.
In Masese ist es sehr weit verbreitet, dass Jugendliche zusammen Wohnungen mieten, um den Eltern aus verschiedensten Gründen zu entfliehen. Dies stellt Fluch und Segen zugleich dar: auf der einen Seite werden die Jugendlichen so früh erwachsen und unabhängig, auf der anderen Seite bringt diese Unterkunft aber auch Verpflichtungen wie die Miete mit sich, die den einen oder anderen am Schulbesuch hindern. Allgemein zeigt sich in Masese sehr deutlich, was Uganda zum jüngsten (nach dem Durchschnittsalter der Bevölkerung) Land der Welt macht: es gibt unglaublich viele Kinder!
Diese Erkenntnis mag zwar das klischeehafte Bild von "unverhältnismäßig" vielen Kindern, die in "less developed areas" spielen, unterstützen, erzeugt aber auf der anderen Seite einen Effekt, der meiner Meinung nach oftmals unterschätzt wird: Masese symbolisiert die Lebensfreude und Leichtigkeit, die hier trotz aller offensichtlichen Probleme herrscht.
Denn keineswegs ist hier alles schlecht, dreckig und traurig, sondern vielmehr fröhlich, sauber (verhältnismäßig) und abwechslungsreich.